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cotopaxi

 

Zwei Männer mit Krawatte, einer sehr jung und nervös, der andere très chic wie aus einem Paris-Reiseführer, sitzen nebeneinander und finden keine Zuhörer: Französischprüfung bei der mündlichen Matura!
Und die Kommission besteht aus reinrassigen Naturwissenschaftern: "No french" steht auf ihren Stirnen graviert.

Der Kandidat beginnt mit der Textarbeit.
"Il s'agit de ..."
Es geht im vorgelegten Artikel um einen Vietnamesen, der im Tempel Opfer bringt, damit er die Aufnahmeprüfung ("le concours")an die Uni schafft.
"Et toi?", fragt der Lehrer, "wie hast du dich auf die heutige Prüfung vorbereitet?"
"Moi, je ..." Er hat sich nach dem Aufstehen niedergekniet und hat gebetet.

Schade, dass hier niemand zuhört. Und niemand was versteht.

Also genau genommen, erklärt der Kandidat in flüssigem, aber nicht akzentfreiem Französisch, habe er mit seiner Ururgroßmutter ("la grand-mère de ma grand-mère") gesprochen. Er habe sie gebeten, ihm bei der mündlichen Matura beizustehen.
"Tu es bouddhiste?"
Da verzieht der Prüfling sein Gesicht und erklärt die vietnamesische Verehrung der Vorfahren, den Ahnenkult.

Er kam vor wenigen Jahren aus Saigon zu uns, lernte schnell Deutsch, schrieb eine Fachbereichsarbeit über mathematische Sonderfunktionen, spricht bei der Deutschmatura über österreichische Literaten und in Französisch über Sitten und Gebräuche seiner Heimat. Studieren will er Medizin, "um den Kranken zu helfen."
"Très bien, Monsieur."

Ausländer rein!

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