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cotopaxi

 

Manchmal verdrücke ich mich im Kaffeehaus ins dunkelste Eck - wenn eine Lehrperson den seligen Raum österreichischer Gemütlichkeit betritt.
"Einen Kakao, bitte."
Nein, ich kenne ihn nicht, ich wittere ihn. Meist genügt ein kurzer Blick und schon suche ich das Weite. Wenn er dann umständlich in der Menükarte herumstochert oder in seiner vorgestrigen Ledertasche herumstiert, dann muss ich gehen.
"Zahlen, bitte."

Zugegeben, ich meide sie, diese typischen Lehrer. Ich geniere mich für etliche von ihnen:

Sie waschen ihre Haare nicht, sie wurschteln sich in verschwitzte Trainingsanzüge, sie bewundern ihre eigenen Sprachfertigkeiten, sie erkennen ihre Scheuklappen nicht, sie leben im vorigen Jahrhundert, sie drehen ihre Handys nicht ab, sie vermuten Zauberkräfte in ihren heilenden Händen, sie kleben sinnlose Zettel auf Türrahmen, sie verwischen Kreidenstaub mit ihren Ärmeln, sie grüßen nicht und beschweren sich über unhöfliche Mitmenschen, sie lesen Kronenzeitung und Bücher aus den Hitlisten, sie verkitschen Schulhefte und verkennen Kreativität, sie schwelgen in unverständlichen Metaphern, sie bemitleiden ihre Kollegenschaft, sie lachen über eigene Witzchen, sie kriechen in die Direktion, sie spucken im Unterricht, sie tragen Pantoffel im Dienst, sie unterbrechen jeden Gesprächspartner, sie glauben ihren eigenen Lügen, sie schreiben mit fremden Bleistiften, sie verwenden Rot zur Strafe und erheben Grün zur Barmherzigkeit, sie lassen überall den Bildungsbürger heraushängen, sie schneiden die Haare ihrer Ehemänner, sie genießen Macht in herzlosen Momenten, sie zeigen Dias, sie essen Butterbrote in den Pausen, sie tragen warme Unterwäsche, sie verbreiten den Hausverstand der kleinen Mittelschicht, sie fordern Tugenden, sie verstellen meinen Parkplatz, sie singen bei Feiern und halten launige Reden, sie buchen Gruppenreisen, sie preisen Feminismus als Gleichberechtigung, sie fordern Engagement ohne es vorzuleben, sie kommen mit roten Pausbacken aus dem Wochenende, sie trinken Salbeitee aus Plastikflaschen, sie schleppen übervolle Ledertaschen, sie mögen Jutesäcke und Tofuschnitzel ... sie missachten ihren Berufsstand.

Der Tragödie letzter Schluss: Ich verachte mich, meinen Kollegen ihre menschlichen Schwächen vorwerfend.

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