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cotopaxi

 

15:400 wäre auch für ein Basketballergebnis kein Ruhmesblatt. Aber für die Unterhaltung des Publikums ist gesorgt.

Erwachsene lachen im Durchschnitt 15 Mal am Tag, Kinder 400 Mal.
Lehrer sind sehr erwachsen, ein ausgesprochen humorloses Volk, und ständig mit der 400er-Laune der Jugend konfrontiert. Dabei müssen die Funken sprühen, was die Heiterkeit der einen auf Kosten der anderen erhöht => 14:401.

Ich frage mich nicht, warum Kinder so oft lachen. Ich finde das normal.
Also frage ich mich, warum Erwachsene es buchstäblich verlernt haben. Gut, denke ich mir, der Zahnarzt, die Bankangestellte und die Müllabfuhr werden bestenfalls höflich lächeln. Das Lachen mag den Blutdruck senken oder Hormone aufwallen, aber beim Verdienen stehen die ernsten Gesichter ganz oben. Die elegante Dame von Rang und der seriöse Herr von Namen gestatten sich kein lautes Schenkelklopfen, das gestehen sie bestenfalls den Hofnarren zu. Zum Lachen gehen sie nicht in den Keller, sondern ins Theater - da darf für viel Geld herzlich geprustet werden. Bei anerkannten Komödien mehr als bei zeitgeistigem Kabarett.

Der Ernst des Lebens, früher mit dem Eintritt in die Schule datiert, setzt offensichtlich mit dem Geldverdienen - sprich mit abhängiger Arbeit ein. Arbeit und Geld vertreiben die Heiterkeit, sie spielen wie Seriosität und Eleganz im Lehrbereich keine vorrangigen Rollen, also dürfte gelacht werden. Oder?

15:400? Wie geht die Schule mit dieser Lach-Diskrepanz um?
Auf Anhieb gesagt: Gar nicht. Wir machen nicht mit, wir machen uns nicht einmal Gedanken darüber. Wir planen Stunden, aber keine Freude, wir arbeiten hart an deren Verhinderung. Also erziehen wir fürs spätere Berufsleben, das kann uns doch keiner vorwerfen. (:-)

Wie oft haben wir Comics gelesen, Karikaturen interpretiert, Texte und Bilder studiert? Und wie oft hat die Klasse vor Lachen gebrüllt? 400:15? Biegen sich die Hörsäle vor Lachen?

Ich beneide die Kinder um ihren offen zur Schau getragenen Spaß, obwohl mir bewusst ist, wie verletztend ihr Witz wirken kann. Nicht selten höre ich auf die neugierig gestellte Frage "Was gibt es zu lachen?" ein abwimmelndes "Nichts, nichts" und ich muss damit rechnen, dass auch über mich gelacht wird. Über einen unfertigen Satz, über einen Toilettenfehler, über eine menschliche Schwäche.
Wer hier kein dickes Fell entwickelt, der fühlt sich ständig angegriffen, ausgelacht, gedemütigt. Dann entwickelt die geknickte Lehrperson eine verteidigende Strategie: "In meinen Stunden gibt es nichts zu lachen!"

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