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cotopaxi

 

Der Lehrberuf wird gerne als gesellschaftlicher Aufzug genützt. Viele meiner KollegInnen stammen aus einfachen Verhältnissen, haben am Bauernhof Unkraut gejätet, im Büro der Mutter Nachhilfe gegeben und beim Hausbau Mörtel gemischt. Sie kennen die harten und unrespektierten Tätigkeiten der unteren Mittelschicht und fliehen ins Studium: "Damit es mir einmal besser geht. Regelmäßiges Einkommen, sicherer Job, soziales Ansehen."

Bloß welches Studium? Molekularbiologen oder Steuerungstechniker lebten nicht in ihren Wohnhaussiedlungen, nur drei akademische Berufe sind in ihre kleine Welt vorgedrungen: Ein Doktor (der Medizin), ein Pfarrer (irgend einer Schattierung) und viele, viele Lehrer - Ihre Vorbilder: "Das wird mein Beruf!" Man wähle seine zwei Lieblingsfächer und ab nach Wien, Salzburg oder Innsbruck. Nach fünf Jahren schreibt man den Mag. phil. vor seinen Namen und präsentiert sich stolz seiner Umgebung: "Ich habe es geschafft!"

Bloß beeindruckt das die Kinder von heute nicht. Die haben mehr Respekt vor dem Besen des Schulwarts als vor dem akademischen Grad der Lehrer. Manche ihrer Eltern haben selbst studiert und alle fordern Leistung ein, statt Anerkennung zu zollen. Frust, weil der Aufzug stecken geblieben ist: "Wenn ich bloß Medizin oder Jus studiert hätte! Was die verdienen! Und sie müssen sich nicht mit allen Rotzlöffeln der Gosse herumschlagen."

Richtig schlimm wird es, wenn die Söhne und Töchter der beneideten Mediziner und Anwälte genüsslich ihre Standesdekadenz heraushängen lassen: "Ja, Frau Professor ... hätten Sie was Ordentliches studiert."
Und der Aufzug stürzt ins Bodenlose.

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