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cotopaxi

 

Ich kümmere mich kaum mehr um das schulische Fortkommen meines Sohnes. Als Lehrer gilt man automatisch als Besserwisser, ich verdränge diese Eigenschaft, wo es geht, und schweige. Der Sohn soll sich seine Sachen selber regeln, alt genug ist er ja. Ausserdem, die meisten Lehrer kann man sowieso nicht ändern, eine kritische Vorsprache bringt genau gar nix. Purer Defaitismus.

Dann kommt ein Brief aus der Schule. Beim Aufmachen fühle ich meinen Puls beschleunigen, aber schon die Überschrift beruhigt mich. Der Brief richtet sich an alle Eltern der Schule, es geht also um keine persönlichen Probleme, sondern um gesellschaftliche. Es geht um Gewalt.
Banden versammeln sich vor der Schule, Kinder werden bedroht und eingeschüchtert, mehrmals wurde die Polizei eingeschaltet. Gewalttätigkeiten werden angekündigt, ausgeführt, verherrlicht und auf Video gebannt.
Wenn die Eltern informiert werden, zeigen sie sich völlig überrascht: "Mein Sohn? Kann ich mir nicht vorstellen!"

Warum der Brief verschickt wurde?

Damit die Eltern ihre Kinder im Auge behalten.
Was machen sie am Computer, was laden sie herunter, welche Lieder sammeln sie, welche Texte lernen sie, was haben sie am Handy gespeichert, welche Kontakte pflegen sie am Nachmittag, welche Kleider kaufen sie, welche Schuhe ziehen sie an?

Ja, die Schule nimmt die Eltern in die Pflicht: Beobachtet euren Nachwuchs (wenn ihr ihn schon nicht erzieht)! Zu viel verlangt?

Die betroffenen Kinder sind oft erst 11 oder 12 Jahre alt, sie besorgen sich Military-Hosen und stahlbewehrte Springerstiefel und suchen Krawall.

In der Zeitung berichtet ein naiver Journalist von einem Totschlag unter Jugendlichen und fügt hinzu: "Der Grund der tödlichen Auseinandersetzung liegt noch im Dunkeln."

Es braucht keinen, Herr Redakteur, sie suchen irgendeinen, auch vor der Schule meines Sohnes. Er hat keine Springerstiefel, soll ich mir Sorgen machen?

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