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cotopaxi

 

Das Telefon läutet, die Sekretärin.
"Wir brauchen Ihre Themen für die Herbst-Matura?"
Ich hatte nicht abgehoben, mein Sohn teilt es mir gemütlich zum Abendessen mit.
"Für wann?"
"Für morgen."
Maturathemen? Über Nacht herbeizaubern? In den Ferien abgeben?
Unmöglich.

Ich gebe zu, ich habe spekuliert, dass ich nämlich gar keine Themen brauchen werde. Ein einziger Schüler der Abschlussklasse möchte (muss) im Herbst antreten, alle anderen drängen schon an die Universitäten. Dieser eine ist mit zwei negativen Noten hängen geblieben. D.h. er muss in zwei Fächern Wiederholungsprüfungen schaffen - Latein und Mathematik - sonst darf er im Herbst gar nicht antreten.
Ich kenne die Fächer, die Lehrer und den Schüler - ich gebe ihm homöopathisch wenig Chancen auf den Herbsttermin und produziere vorerst keine Maturafragen für die Schublade.
Sollte er das Unwahrscheinliche dennoch schaffen, dann, ja dann brennt mein Hut. Dann schreibe ich in wenigen Stunden, was sonst mehrere Tage braucht - seitenweise Maturathemen.

Was fragt mich mein Sohn: "Hast an deal g'macht? Mit dem Lateinlehrer?" Grins!
Alleine die Möglichkeit, mit den Kollegen so zu verhandeln, dass sie mir (und meinen Kollegen) auf Kosten eines Schülers Arbeit ersparen, lässt mich schaudern. In der Tat kenne ich keine Berufsgruppe, die so korruptionsfern agiert wie die Lehrerschaft.

Aber es ginge leicht: "Geh, lass ihn durchfallen! Sonst müssen wir in Deutsch, Englisch, Mathematik und Französisch neue Maturaaufgaben schreiben. Extra für ihn, für einen einzigen Schüler! Für Gottes Lohn! Das zahlt sich doch nicht aus ... und verdient hat er es auch nicht."
Solche Deals gibt es nicht! Da sitze ich lieber eine Nacht am Schreibtisch.
Blöder Stolz, unökonomischer Berufsethos.
Aber nicht heute Nacht ... wird schon schief gehen!

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